Exhibition

Seit wenigen Jahren entwickelt Madeleine Gorges zeitbasierte Zeichnungen. Hier ensteht eine visuelle Musik in eigens von ihr entwickelten Formaten. Angesiedelt sind ihre aktuellen Techniken irgendwo im Niemandsland zwischen Fotographie und den akademisch besetzten Formaten von Zeichnung und Druckgrafik. Eine romantische Spurensuche zwischen den Genres wird zum Wesen ihrer Kunst. Materialien, wie weiche Metallplatten oder Fotomaterial bilden die Basis, die weiter bearbeitet wird. Gorges verwendet Zink- oder Kupferplatten. Diese Platten werden wie Fallen, von ihr, der Spuren-Jägerin ausgelegt. Biographisch wichtige oder besonderes frequentiere Orte werden gewählt um Erinnerungen festzuhalten.  Momente eines geplanten Zufalls und jenen Chance Operartions die Marcel Duchamp und John Cages zitieren mögen,  werden durch Ereignisse von Staub, Sand und anderes Material, zu magisch abstrakten Linien, die sich dem Auge und seiner Suche nach konkreten Formen zur Gestalt formen. Diese, so erstellten und öffentlich präsentierten Druckplatten bilden eine Schichte, die sich um eine weitere Schicht, mit historischen Fotografien, Papieren  zu poetisch aufgeladenen Drucken verarbeiten lassen.  So entstehen regelrechte  Filter der Erinnerung;  durch die Abläufe und Ereignisse angedeutet werden. Diese scheinen uns in vergangene Zeiten zu führen, als die Fotografie noch lange nicht als Kunstform anerkannt war.   

Kunsthistorisch interessant sind die Arbeiten, zumal musikalische Aspekte wie Zeit, Ereignis und Ort integralen Bestandteil werden. Gorges nutzt diesen Dreiklang von Zeit, Ereignis und Ort, wie vor ihr bereits Andy Warhol, Michel Snow, Hollis Frampton  und überführt  − wie auch der Klangkünstler Jens Brand − das Maß eines kalendarischen Tages von 24 Stunden in den künstlerischen Rahmen. Festgehalten im Universum der Oberflächen von Papieren entfaltet Gorges − in den Unregelmäßigkeiten und Abweichungen der Materialien − ihren künstlerischen Raum. Das Datum ihrer Entstehung verschweigt uns die Künstlerin, im Unterschied zu den konzeptuellen Postkarten eines On Kawaras. Gorges zitiert das Maß der Großen Uhr, das weltweit den Rhythmus menschlichen Lebens täglich bestimmt.

 

Christoph Metzger